Who brings „(De)Confrontainment“ in – The Parties or the Media? Frame Building in the 2008 Austrian Parliamentary Election Campaign

Autoren: Günther Lengauer, Iris Höller, Gilg Seeber
Erschienen in: Frank Marcinkowski (Hrsg.) (2014). Framing als politischer Prozess. Beiträge zum Deutungskampf in der politischen Kommunikation. Baden-Baden: Nomos, 163-178.

In Wahlkämpfen ist oft die Rede davon, dass die Medienberichterstattung von konfrontativen und negativen Darstellungen gegenüber der Politik geprägt ist (Confrontation) bzw. dass sie entpolitisiert ist und auf Zuspitzung (Drama) und den Wettkampf (Game) fokussiert und dabei sachpolitische Inhalte vernachlässigt (Entertainment). Diese wissenschaftliche Studie geht nun der Frage nach, wie stark diese Elemente des Confrontainments die Berichterstattung im Wahlkampf tatsächlich dominieren und ob die Medien alleinverantwortlich für diesen Spin in der Wahlkampf-Kommunikation sind oder ob schon die politischen Parteien selbst sehr stark auf diese Elemente in ihrer Kommunikation setzen.

Die Studie kombiniert eine umfassende Inhaltsanalyse der Politikberichterstattung in österreichischen Tageszeitungen im Wahlkampf 2008 (N=2382 Beiträge) und eine Inhaltsanalyse der Presseaussendungen der Parlamentsparteien im selben Zeitraum (N=1165 OTS-Aussendungen). Diese Untersuchungen wurden im Rahmen des Projekts Austrian National Election Study (AUTNES) durchgeführt. Eine Time Series Analysis erlaubt es dabei, die Zusammenhänge und das Entstehen dieser prägenden Kommunikations-Elemente des „Confrontainments“ nachzuweisen.

Fazit: Zunächst zeigt sich, dass sowohl in den Presseaussendungen der Parteien als auch in der Tageszeitungsberichterstattung im Wahlkampf die Elemente der Confrontation (Konflikt, Negativität) stärker zu Tage treten als die Elemente des Entertainments (Drama, Game). Dabei fokussieren die Partei-Presseaussendungen noch deutlicher auf Konflikte als es in der Medienberichterstattung der Fall ist. Auch was die allgemeine Negativität betrifft, ist die Berichterstattung nicht stärker davon geprägt als es die Presseaussendungen der politischen Akteure sind.

Elemente des Entertainments sind wiederum in beiden Kommunikations-Kanälen wichtige Stilmittel, aber sie kommen weniger häufig vor als Confrontation. So sind sowohl die Presseaussendungen der Parteien als auch die folgende Berichterstattung stärker auf Sachthemen als auf den Wettkampf fokussiert und sie stellen Politik noch überwiegend sachlich dar. Bemerkenswert ist dabei allerdings, dass Presseaussendungen der Parteien stärker auf Drama setzen als es die Berichterstattung tut. Somit kommt den Medien im Wahlkampf sogar eine moderate De-Dramatisierungsfunktion zu. Sie transportieren nicht ungefiltert das hohe Dramatisierungs-Niveau der Presseaussendungen weiter, sondern mildern es sogar etwas ab.

In Bezug auf die Einflüsse des Confrontainment-Angebots der Presseaussendungen der Parteien (Input) auf die darauffolgende Medienberichterstattung (Output) zeigt sich, dass in Bezug auf die Confrontation-Elemente Negativität und Konflikt die starken Impulse der Parteien keinen direkten Einfluss auf die Confrontation-Niveaus in der Berichterstattung haben. D.h. Confrontation ist ein Stilmittel, das Parteien aber auch Medien stark unabhängig voneinander einsetzen, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen.

In Bezug auf die Entertainment-Impulse der politischen Parteien zeigt sich, dass die Medien sehr wohl auf diese Stimuli positiv reagieren. D.h. je stärker der Entertainment-Fokus in den Presseaussendungen, desto höher ist tendenziell auch der Drama- und Game-Fokus in der folgenden Berichterstattung. Die Medien tendieren also dazu, diese Elemente bevorzugt zu übernehmen, wenn sie ihnen von der politischen PR angeboten werden.

Zusammenfassend lässt die Studie somit den Schluss zu, dass es jedenfalls zu kurz greift, die Medien für Entwicklungen des Confrontainments in der politischen Kommunikation in Wahlkämpfen allein verantwortlich zu machen. Bereits die Kommunikations-Angebote der Parteien sind zumindest ebenso stark auf Confrontation und Entertainment konzentriert wie der Medien-Output. Medien schwächen die Tendenzen, die sich in der politischen PR in dieser Hinsicht zeigen, sogar teilweise ab.

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