Der Faktor Social Media beim Nachrichtenkonsum

Autoren: Dr. David A.L. Levy, Nic Newman, Dr. Richard Fletcher, Dr. Rasmus Kleis Nielsen

Erschienen auf: reutersinstitute.politics.ox.ac.uk

Für den Digital News Report des Reuters Institute for the Study of Journalism wurden im Jänner und Februar 2016 50.000 Teilnehmer zu Aspekten des Online-Konsums von Nachrichten befragt. Die Studie wurde mittels Online-Befragung, gestützt durch Face-to-Face Fokusgruppen, in 26 Ländern durchgeführt. Folgend werden ausgewählte Trends beleuchtet, die sich aus den Ergebnissen der umfangreichen Studie herauskristallisieren.

Onlinemedien wichtigste Quelle beim Nachrichtenkonsum, Social Media mit zunehmend stärkerer Rolle

Social Media wird bei der Nachrichtenauswahl zunehmend wichtiger: Rund 46% der Befragten (aus der gesamten Studie) geben an, zumindest einmal pro Woche über Social Media Plattformen auf Nachrichtenbeiträge aufmerksam zu werden. Im Jahr 2013 lag dieser Anteil noch bei 27%, pro Jahr gab es konstante Zuwächse von 6 bis7%. Über Onlinemedien (inklusive Social Media) konsumieren knapp drei Viertel der Befragten (73%) zumindest einmal pro Woche Nachrichten. Dieser Anteil ist seit 2013 nahezu unverändert.

Über das Fernsehen konsumieren zwei von drei Befragten zumindest einmal pro Woche Nachrichten. Im Vergleich zu 2013 gab es dabei einen Rückgang von 6%.

Am stärksten verlieren die Printmedien: Im Jahr 2013 gaben noch 41% der Befragten an, zumindest einmal pro Woche Nachrichten in Zeitungen zu lesen, 2016 sinkt dieser Wert auf 24%.

Ein Blick auf die Ergebnisse aus Österreich zeigt im Vergleich zum Gesamtdurchschnitt zum Teil deutliche Abweichungen. Zwar liegen die Werte für Social Media (48%) und Onlinemedien insgesamt (73%) auf dem Durchschnittsniveau der Gesamtstudie, jedoch ist in Österreich noch knapp das Fernsehen wichtigste Quelle für Nachrichten (76%). Der größte Unterschied im Vergleich zu den Gesamtergebnissen zeigt sich jedoch bei den Printmedien. Zwei Drittel der Österreicher informieren sich zumindest einmal pro Woche über gedruckte Zeitungen. Dieser Anteil ist damit fast dreimal so hoch wie im Studiengesamtdurchschnitt.

Nachrichtenauswahl verändert sich mit Nutzungsverhalten

Durch die stärker werdende Rolle von Social Media als Erstkontakt zu Nachrichtenbeiträgen nimmt der journalistische Einfluss auf die Nachrichtenauswahl ab. Algorithmen und Empfehlungen von Freunden bestimmen zunehmend welche Inhalte häufiger bzw. selten in den Newsfeeds angezeigt werden.

Rund 36% der Befragten präferieren sogar die Auswahl über Algorithmen nach Lesegewohnheiten. Zusätzlich gibt mehr als ein Fünftel an, am liebsten Nachrichten zu lesen, die ihnen von Freunden empfohlen werden. Die herkömmliche journalistische Auswahl von Nachrichten sehen hingegen nur mehr 30% als geeignetsten Weg an.

Es gibt aber auch Bedenken bezüglich der personalisierten Nachrichtenauswahl, am stärksten ist dabei die Befürchtung, wichtige Informationen zu verpassen, gefolgt von möglicherweise einseitiger Information aufgrund fehlender Gegenargumente.

Trends belasten Medienherausgeber noch stärker

Nachrichtenherausgeber stehen vor neuen wirtschaftlichen Herausforderungen: Der Onlinemedienkonsum (inkl. Social Media) verlagert sich zunehmend weg von Computern, hin zu mobilen Endgeräten wie Tablets und vor allem Smart Phones. So bieten die kleinen Displays deutlich geringere Werbemöglichkeiten. Auch der Einsatz von Ad-Blockern setzt sich - vor allem bei den unter 35-Jährigen - vermehrt durch. Rund 26% der Befragten in Österreich geben an, Ad-Blocker zu verwenden, Tendenz steigend.

Nicht zuletzt diese Trends führen zur kuriosen Situation, dass die Nachrichtenherausgeber durch die zusätzlichen Onlinereichweiten zwar so viele Leser wie nie zuvor erreichen, sich die wirtschaftliche Situation aber kontinuierlich verschärft.

Online-Nachrichten im Video-Format setzen sich - vorerst - nicht durch

Zunehmend werden Online-Nachrichten in Form von Videos bereitgestellt. Die Konsumenten nehmen solche Formate im Vergleich vorerst jedoch nur in geringem Maße an: Nur rund ein Viertel der Befragten konsumiert Video-Nachrichten zumindest einmal pro Woche. Im Vergleich liegt der Anteil bei geschriebenen Nachrichtenbeiträgen bei 59% und Schlagzeilenüberblicke bei 41%.

Als stärkste Argumente gegen Nachrichten-Videoformate wird angegeben, dass man Artikel schneller lesen könne (41%), dass Vorabwerbung in Videos als zu störend empfunden wird (35%) und dass die Ladezeiten zu lange dauern (20%).

Vertrauen in Nachrichtenherausgeber und Journalisten in Österreich im Vergleich gering

Der Aussage "Überwiegend vertraue ich den Nachrichten" stimmen nur 43% der österreichischen Befragten zu. Die höchsten Werte gibt es dabei in Finnland (65%), Portugal (60%) und Brasilien (58%). Den geringsten Vertrauenswert attestiert man in Griechenland, nur jeder Fünfte hat hier Vertrauen in die Nachrichten.

Journalisten haben noch geringere Vertrauenswerte als die Nachrichten selbst. Nur ein Drittel der Befragten in Österreich stimmen der Aussage "Überwiegend vertraue ich Journalisten" zu. In Brasilien ist dieser Wert mit 54% am höchsten, in Griechenland mit 11% am niedrigsten.

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