Die Tageszeitung auf der roten Liste:
So sehen Journalisten die Medienzukunft

Autoren: Lutz Cleffmann ECCO-Agenturnetz in Zusammenarbeit mit newsroom.de.

Erschienen auf: http://www.ecco-network.de

Das ECCO-PR-Agenturnetz hat gemeinsam mit dem Online-JournalistInnen-Portal newsroom.de im Juli 2015 eine Online-Befragung unter 442 deutschen JournalistInnen zum Alltag und zur Zukunft des Journalismus durchgeführt. An der Untersuchung haben sich hauptberufliche JournalistInnen aus verschiedenen Ressorts, Hierarchie-Ebenen und allen relevanten Mediengattungen (Print, Online, TV und Radio) beteiligt. Die Untersuchung zeigt den steigenden Druck auf RedakteurInnen und die geänderten Informationsbedürfnisse und das moderne Rechercheverhalten.

Fazit: Die Veränderungen der Medienlandschaft haben in der Wahrnehmung der JournalistInnen klare Auswirkungen auf deren Arbeitsalltag. Etwa 80% geben an, dass die Arbeitsbelastung stärker geworden ist und dass weniger Zeit für Recherche bleibt. Gleichzeitig sinkt die Arbeitsplatzsicherheit in der Wahrnehmung von 76% und führt zu Qualitätseinbußen (78%).

Mehr als neun von zehn JournalistInnen sind der Meinung, dass die Glaubwürdigkeit der Medien zumindest teilweise gesunken ist und dass die Grenzen zwischen redaktionellen und bezahlten Inhalten weiter verschwimmen.

Besonders Tageszeitungen werden als bedrohte Journalismus-Spezies betrachtet. 95% der Befragten sind der Meinung, dass die Bedeutung von Tageszeitungen zurückgehen wird. Eine Mehrheit sehen ebenfalls sinkende Bedeutungen für Boulevardzeitungen, Wochenzeitungen, Wirtschaftszeitungen oder das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Vor allem beim Internet TV sehen deutsche JournalistInnen das größte Wachstumspotenzial, gefolgt von Social Media.

Die Mehrheit der deutschen JournalistInnen (55%) ist der Meinung, dass die Bedeutung von PressesprecherInnen und PR-Agenturen für ihre Arbeit in den letzten fünf Jahren zugenommen hat. Demgegenüber konstatiert nur ein Drittel einen Rückgang der Bedeutung von PR für ihre Arbeit.

In Bezug auf die Informationsquellen für JournalistInnen geben die Befragten an, dass besonders der persönliche Kontakt zur Quelle in den letzten fünf Jahren an Bedeutung zugenommen hat (78%). Dabei ist besonders das Vier-Augen-Gespräch wichtiger geworden (77%). Aber auch der Website-Auftritt der Unternehmen spielt für die Recherche eine zunehmend bedeutende Rolle. Das konstatieren mehr als drei Viertel der Befragten. Deutlich an Relevanz verlieren klassische Pressekonferenzen und Pressereisen. Hier geben jeweils 77% an, dass diese an Bedeutung verloren haben.

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