„Arbeitsbedingungen und Berichterstattungsfreiheit in journalistischen Organisationen“

Autoren: Manuel Puppis, Philomen Schönhagen, Silke Fürst, Brigitte Hofstetter und Mike Meissner, Departement für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, Universität Fribourg, Schweiz.

Erschienen auf: medienwoche.ch

Im Rahmen einer landesweiten Online-Befragung zwischen Juni und Juli 2014 wurden mehr als 1.100 JournalistInnen aller relevanten Medienformate in der Schweiz befragt, wie sich die Arbeitsbedingungen und die Berichterstattungsfreiheit darstellt und wie sich in den letzten Jahren ihre Wahrnehmung dazu verändert hat.

Fazit: Die Befragung belegt, dass in der Wahrnehmung der RedakteurInnen der ökonomische Druck auf den Journalismus in den letzten fünf bis zehn Jahren zugenommen hat. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, dass die Redaktion deutlich mehr Beiträge erstellen muss (53%) und die Zeit für die Produktion immer kürzer wird (55%). Besonders in Tageszeitungsredaktionen wird die Zunahme des ökonomischen Drucks konstatiert. Am häufigsten werden zunehmender Zeitdruck, Personalkürzungen und Sachmittelkürzungen (jeweils 55%) wahrgenommen.

Der steigende wirtschaftliche Druck auf Medienformate beflügelt auch die Diskussion um die Trennung zwischen redaktioneller Berichterstattung und Anzeigen. Es zeigt sich, dass eher selten Nachrichten veröffentlicht werden, die für das Image der Werbekunden schädlich sein könnten, so die StudienautorInnen. 26% der Befragten glauben, dass positive Darstellungen von Werbekunden in den letzten Jahren zugenommen haben und 32% konstatieren sogar, dass Redaktionen auf direkten Druck von Werbekunden reagieren. Bei Wochenzeitungen und Magazinen wird der Einfluss der Werbekunden von den befragten JournalistInnen dabei am stärksten wahrgenommen. Dies sind Entwicklungen, die auch in Deutschland und Österreich verstärkt diskutiert werden.

Das Internet verändert die Redaktionslogik, auch in traditionsreichen Printmedien. So prägen die Onlinenutzungszahlen in vielen Redaktionen die Entscheidungen, welche Themen gespielt werden und auch wie sie gespielt werden. 42% der Befragten konstatieren eine steigende Bedeutung von Klickraten für den Journalismus. Besonders Tageszeitungs-Redaktionen sehen sich davon betroffen.

Die Resultate der Studie zeigen deutlich, dass Schweizer Journalistinnen und Journalisten (aber sicher nicht nur diese) mehrheitlich eine deutliche Verschärfung des wirtschaftlichen Drucks wahrnehmen und sich unter chronischem Stress sehen. Für grundlegende journalistische Aufgaben bleibt im Alltag oft zu wenig Zeit – und dieses Problem hat sich in den letzten fünf Jahren in der Wahrnehmung der Protagonisten verstärkt.

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