Wahlkampf am und abseits vom journalistischen Boulevard: Redaktionelle Politikvermittlung im Nationalratswahlkampf 2008

Autoren: Günther Lengauer und Hannes Vorhofer
Erschienen in: Fritz Plasser (Hrsg.) (2012). Politik in der Medienarena. Wien: Facultas, 145-192.

Die umfassende Inhaltsanalyse stellt die Berichterstattung der Qualitätsmedien (Die Presse, Der Standard, ORF-Zeit im Bild) und Boulevardmedien (Kronen Zeitung, Österreich, ATV-aktuell) gegenüber und geht der Frage nach, von welchen Stilelementen die Wahlkampfberichterstattung in Österreich geprägt ist und ob sich Qualitäts- und Boulevardmedien unterscheiden.

Fazit: Es zeigt sich, dass in der massenmedialen Reflexion des Wahlkampfes entsachlichte Darstellungen deutlich über Sachinhalten dominierten. Nur ein Drittel der Berichterstattung zur österreichischen Politik fokussierte im Kern auf sachpolitische Fragen, während sich mehr als die Hälfte auf metapolitische Darstellungen (Horse Race, Koalitionsspekulationen, Interessenspolitisches, etc.) konzentrierte.

In der Berichterstattung standen Kandidaten-Profile stärker im Vordergrund als Parteien-Profile und die Individualisierung und Elitenzentrierung (Fokussierung auf die Spitzenkandidaten und besonders die Kanzlerkandidaten) erreichte ein hohes Niveau. Daneben stilisierte vor allem der journalistische Boulevard ein personalisiertes Kanzlerduell zwischen Faymann und Molterer.

Es ließ sich für die Berichterstattung ein eindeutiges Maß an Negativismus-Bias und Konflikt-Zentrierung attestieren. Bad News und Kontroversen zur Politik im Wahlkampf dominierten insgesamt und in Summe wurden alle fünf Spitzenkandidaten und Parteien, die im Parlament vertreten waren, überwiegend negativ in den Medien vermittelt.

In Bezug auf die Unterscheidung der Nachrichtenlogik von Boulevard- und Qualitätsmedien im österreichischen Nationalratswahlkampf 2008 ergeben sich folgende Befunde: Was den Media Bias in der österreichischen Wahlkampfberichterstattung betrifft, ließen sich keine eindeutigen parteipolitischen Zuordnungen erkennen, jedoch zeigte sich vor allem in den Boulevardmedien ein deutlich polarisierender Kandidaten-Bias, während vor allem die Qualitätszeitungen von einem noch eindeutigeren und allgemeinen Negativismus-Bias gegenüber der österreichischen Politik geprägt waren.

Hinzu kamen in Boulevard- und Qualitätsmedien variierende Aktivierungsniveaus in der Entertainment-Dimension, vor allem auf der Ebene der Dramatisierung. Aus diesen Akzentuierungen lässt sich ein übergeordneter Media Frame des „Confrontainments“ (Lengauer 2007) im Wahlkampf 2008 ableiten, der die Elemente der Konfrontativität, des Negativismus und des Entertainments bündelt. In den Qualitätsmedien lag der Schwerpunkt dabei stärker auf der negativen Confrontation-Dimension und in den Boulevardmedien vergleichsweise stärker in der Entertainment-Dimension.

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