Media Milieus: Politische Informations- und Mediennutzungstypen

Autoren: Günther Lengauer, Fritz Plasser und Gilg Seeber
Erschienen in: Fritz Plasser (Hrsg.) (2012). Erfolgreich Wahlkämpfen. Massenmedien und Wahlkampagnen in Österreich. Wien: Facultas, 57-85.

Im Mittelpunkt dieser Studie auf Basis der Wahlbefragung der ersten österreichischen nationalen Wahlstudie (AUTNES 2008) stehen die individuellen Routinen in der Nutzung von Massenmedien und Neuen Medien zur politischen Informationsbeschaffung durch die einzelnen WählerInnen, die wir als Media Milieus, also alltagspraktische Repertoires der Mediennutzung zur politischen Information, definieren. Dabei werden die wichtigsten politischen Informationsquellen in der österreichischen Wählerschaft erfragt und analysiert, ebenso wie die Nutzungsintensitäten und Exklusivnutzungen von Qualitäts- und Boulevardmedien. Abschließend können die österreichischen WählerInnen in einer Latent Class Analysis in vier Typen entlang ihres politischen Informationsverhaltens kategorisiert werden.

Fazit: TV-Nachrichten sind vor Tageszeitungen, Radio-Nachrichten und Gesprächen mit Verwandten und Freunden die wichtigsten politischen Informationsquellen in Österreich. Plakate, Inserate, Wahlprogramme, Wahlkampfveranstaltungen oder die Websites der Parteien spielen hingegen eine untergeordnete Rolle. Ein Viertel der österreichischen WählerInnen nutzt ausschließlich Boulevardzeitungen wie Kronen Zeitung, Österreich oder Heute und keine weitere Zeitung. Am höchsten ist der Anteil von exklusiven Boulevardzeitungsnutzern unter SPÖ- und FPÖ-WählerInnen. Entlang der individuellen Stile der politischen Informationsnutzung im Wahlkampf ergeben sich vier Typen österreichischer WählerInnen:

1.       Der informationsaffine, politikinvolvierte Traditionalist

39%; intensive politische Informationsnutzung; Konzentration auf klassische Massenmedien; ORF-Affinität; relativ hohe Exklusivnutzung von Boulevardzeitungen; größtes Vertrauen in die Berichterstattung; interessiert sich am stärksten für Politik; größter ÖVP-Wähleranteil; höchster Frauenanteil.

2.       Der informationsinteressierte, politiknahe Etablierte

33%; überdurchschnittliche politische Informationsnutzung; höchste Internet-Aktivität; hohe TV-, Radio- und Tageszeitungsnutzung; Cross-Media Nutzung – auch Privat-TV; am häufigsten Qualitätszeitungen; Vertrauen in Berichterstattung ist überdurchschnittlich hoch; überdurchschnittliches politisches Interesse; hohe Wahlbereitschaft; starke Parteibindung; Vertrauen in Politik vergleichsweise gering; höchste Bildung.

3.       Der informationsdistante, politikferne Moderne

9%; Gleichgültigkeit gegenüber politischer Information und Politik; distant zu den klassischen Massenmedien; relativ hohe Internet-Nutzung; schwache Mediennutzung der politischen Information; geringes Vertrauen in Politik; geringe Parteibindung; verhältnismäßig jung; untere Einkommensschichten; großer Grün-WählerInnen-Anteil.

4.       Der informationsabstinente, politikverdrossene Unterprivilegierte

19%; größtes Desinteresse an Internet als politische Informationsquelle; höchste exklusive Boulevardzeitungsnutzung; geringstes politisches Interesse; niedrigste politische Partizipationsbereitschaft; geringste Parteibindung; niedrigstes Vertrauen in Politik; jüngste Gruppe; überdurchschnittlich männlich; geringste Bildung; geringstes Einkommen; hohe BZÖ- und FPÖ-Wähleranteile.

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