Die österreichische Medienarena: Besonderheiten des politischen Kommunikationssystems

Autoren: Fritz Plasser und Günther Lengauer
Erschienen in: Fritz Plasser (Hrsg.) (2012). Politik in der Medienarena. Wien: Facultas, 19-52.

Diese datengestützte Untersuchung geht der Frage nach, welche Medien die ÖsterreicherInnen zur politischen Information wie intensiv und häufig nutzen. Weiters identifiziert und benennt diese Analyse die 15 wichtigsten Spezifika des österreichischen politischen Kommunikationssystems. Die Studie beschreibt den Wandel des politischen Kommunikationssystems in Österreich, die Mediennutzung, den österreichischen Fernsehmarkt, den Auf- und Abstieg der Zeit im Bild 1, den österreichischen Radio- und Printmarkt, das Internet und seine Nutzung in Österreich, die wichtigsten medialen Informationsangebote in Österreich sowie die Besonderheiten des österreichischen Mediensystems im internationalen Vergleich.

Fazit: Die österreichische Presselandschaft ist im internationalen Vergleich westlicher Mediendemokratien von einem außerordentlich hohen Konzentrationsgrad gekennzeichnet. Waren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg noch 36 Tageszeitungen in Österreich im Umlauf, waren 2008 nur mehr sechzehn Kaufzeitungen erhältlich.

Die Neue Kronen Zeitung erreicht täglich mehr als vier von zehn Österreichern (knapp drei Millionen). Zudem sind fast eine Million Österreicher exklusive Krone-Leser, die keine andere Tageszeitung lesen. Auf dem nationalen Printmarkt nimmt die Kronen Zeitung somit eine Sonderstellung ein und etabliert sich dadurch neben dem ORF als das dominierende mediale Macht- und Meinungszentrum in Österreich. Der ORF ist nicht nur das größte Medienunternehmen Österreichs, sondern er gilt zu Beginn des 21. Jahrhunderts auch weiterhin als der führende Content-Produzent für politische Information in Fernsehen und Radio.

Neben dem Radio, das vorwiegend als „Begleit“-Medium genutzt wird, sind es die Tageszeitungen, die in Österreich am häufigsten auf einer täglichen Basis genutzt werden. Fünf Millionen ÖsterreicherInnen lesen eine Tageszeitung. Gleichzeitig ist die österreichische Medien-Gesellschaft mit Blick auf die Nutzungsdauer weniger TV-zentriert, als es in den meisten anderen europäischen Ländern der Fall ist.

Hatten im Zuge intensivierter Expansionsbestrebungen deutsche Verlagshäuser in den 1980er und 1990er Jahren den österreichischen Printmarkt erobert, sind ausländische Kapitalbeteiligungen an österreichischen Medien in den letzten Jahren wieder deutlich rückläufig.

Auf ganz Österreich bezogen werden die Bezirksblätter von knapp einem Viertel der Bevölkerung gelesen. Auch auf dem Fernseh- und Radio-Markt spielen regionale Angebote eine große Rolle in der Informationsnutzung der österreichischen Bevölkerung. Die täglichen Bundesland Heute Sendungen des ORF werden im Durchschnitt von mehr als der Hälfte der regionalen TV-Nutzer ab 19 Uhr täglich gesehen. Ähnliches gilt für die Radio-Sendungen aus den Landesstudios. Diese erreichen einen kumulierten Marktanteil von 37 Prozent und sind somit bei den HörerInnen noch beliebter als Ö3. Die Regionalradios erreichen täglich mehr als zwei Millionen ÖsterreicherInnen.

Als Folge der Fragmentierung und Internationalisierung des TV-Angebots und der verstärkten Zuwendung zu unterhaltungsorientierten Angeboten, vor allem in der Primetime, ergeben sich über die letzten Jahre starke Reichweiten- und Marktanteil-Verluste der österreichischen öffentlich-rechtlichen Fernsehnachrichten. Der Marktanteil des ORF hat sich in Österreich in den letzten beiden Dekaden auf 42 Prozent im Jahr 2008 mehr als halbiert, während sich die Marktanteile der ausländischen Sender im selben Zeitraum mehr als verzehnfacht haben.

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