Qualität des tagesaktuellen Informationsangebots in den österreichischen Medien

Autoren: Dr. Josef Seethaler, Österreichische Akademie der Wissenschaften, im Auftrag der RTR-GmbH.

Erschienen auf: https://www.rtr.at

Josef Seethaler von der Akademie der Wissenschaften untersucht in dieser Studie die Qualität der tagesaktuellen Nachrichtenberichterstattung in Österreich. Dazu wurden inhaltsanalytisch nicht weniger als 20.007 im Rahmen eines künstlichen Monats 2014 zufällig ausgewählte redaktionelle Medienbeiträge ausgewertet. Zum Untersuchungsdesign gehören 36 TV-Sender, Radio-Sender, Tageszeitungen und Online-Newssites mit der größten Reichweite in Österreich.

Die Studie definiert vier Qualitätskategorien - Transparenz (Nachweis der Urheberschaft, Nennung der Quellen), Vielfalt (Zahl der zitierten Akteure, Verhältnisse von Partei-Akteuren, zivilgesellschaftlichen Akteuren und weiblichen Akteuren), Relevanz (Anteil der Beiträge aus Politik, Wirtschaft und Kultur) und Professionalität (Objektivität, Diskursstärke). Darüber hinaus versucht die Studie, diese Qualitätskriterien entsprechend den drei Basismodellen des Demokratieverständnisses (liberal-repräsentativ, deliberativ, partizipatorisch) zuzuordnen.

Transparenz: In Sachen Urhebertransparenz (Nennung der Autoren, Urheber) erreichen Der Standard/derstandard.at mit Werten über 95% die höchste Urhebertransparenz im Einzelmedien-Vergleich. Auf orf.at und oe24.at werden von den untersuchten Medien demgegenüber am wenigsten häufig die Autoren und Urheber der Beiträge genannt. Bei der Quellentransparenz (durchschnittliche Anzahl von Quellen pro Beitrag - je höher, desto transparenter) liegt orf.at jedoch hinter derstandard.at und dem Kurier auf Platz 3. Damit relativiert sich die Stellung von orf.at in dieser Transparenzfrage wiederum. Der Standard und derstandard.at zeigen sich auch in dieser Dimension unter den Top-10-Medien und bestätigen damit ihre Vorrangstellung in Sachen Transparenz, wie sie die Studie definiert und anlegt.

Vielfalt: Das Kriterium der Anzahl der zitierten Akteure pro Beitrag kann nur bedingt als Qualitätskriterium für Meinungsvielfalt angesehen werden und die Voraussetzungen der Mediengattungen und einzelnen Medien (besonders in Bezug auf die Länge der Beiträge) in dieser Hinsicht müssen als sehr unterschiedlich angesehen werden. Daher sind die empirischen Ergebnisse dabei nur eingeschränkt verwertbar. Die Studie zeigt auf dieser Ebene jedenfalls, dass Kurier und derstandard.at mit über eineinhalb Akteuren pro Beitrag die höchsten Werte erzielen und somit auch in dieser Kategorie vorne mitmischen.

Relevanz: Die Studie definiert "Hard News" als Anteil von Berichten aus Politik, Wirtschaft und Kultur an der Gesamtberichterstattung. Somit vernachlässigt diese Definition eine weitere inhaltliche Qualitätsdimension, was die Aussagekraft etwas relativiert. Denn auch politische, wirtschaftliche und kulturelle Berichte können sich inhaltlich qualitativ stark unterscheiden. Jedenfalls zeigt sich, dass Ö1 und Der Standard mit über 90% "Hard News" am stärksten vermitteln, gefolgt von FM4 auf Platz 3 in diesem Ranking. Schlusslichter sind gmx.at (<50% Hard News) und oe24.at (knapp über 40% Hard News).

Professionalität: Um die Objektivität zu messen, wurden die Kriterien Sachlichkeit und Unparteilichkeit zu einem Index vereint. Dabei zeigen sich vor allem die in die Untersuchung aufgenommen öffentlich-rechtlichen Radio-Landesstudios (Wien, Steiermark, OÖ, NÖ) geschlossen an der Objektivitätsspitze, gemeinsam mit Ö3 und FM4, also weiteren ORF-Radiosendern. Die Schlusslichter im Objektivitätsindex bilden oe24.at, gmx.at, sowie die Gratiszeitungen Österreich und Heute. Die zweite Professionalitäts-Dimension stellt der so genannte Diskursindex dar, der angibt, wie stark Problemdefinition, Ursachenzuschreibung, Bewertungen, Diskussion von Konsequenzen und Lösungen - also kurz Kontexte - vermittelt werden. Hier zeigen sich derstandard.at, gefolgt von den Salzburger Nachrichten und ATV als die diskurs-orientiertesten Medien. Am wenigsten Diskurs-Kontexte vermitteln Radio Energy, Radio Arabella und Heute.

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